Weit weg von zu Hause
Unterhaltung auf Alemannisch, weit weg von zu Hause
Dominic Samuel Fritz über seine erste „Begegnung“ mit dem Banat
Von: Raluca Nelepcu
Freitag, 06. März 2020
Temeswar – Hat er oder hat er keine banatschwäbischen Wurzeln? Diese Frage stellten sich viele Banater Schwaben
und nicht nur, als sie erfuhren, dass der Bundesdeutsche Dominic Samuel Fritz seitens der USR für das
Bürgermeisteramt Temeswar/Timișoara kandidiert. Vor wenigen Tagen deckte Dominic Samuel Fritz das „Geheimnis“
mit einer Erzählung aus seiner Jugend auf.
In einem Facebook-Posting erzählte Dominic Samuel Fritz, wie er im Alter von elf Jahren erstmals von einer Region
mit dem Namen „Banat“ gehört hatte. „1995 wurde in unserem Dorf, Görwihl im Schwarzwald, ein Denkmal
aufgestellt, das für mich damals sehr geheimnisvoll erschien: ´Saderlach 1737´ stand darauf geschrieben, und einige
Namen, die für mich familiär klangen, weil sie oft im Dorf vorkamen – Amann, Strittmatter, Kaiser… Ich erfuhr, dass
das Denkmal an die Auswanderung einiger Familien aus Görwihl und aus den umliegenden Dörfern ins ´kaiserliche
Banat´ erinnert, wo sie ein Dorf mit dem Namen ´Saderlach´ aufbauten“, berichtet Dominic Samuel Fritz. 2003 ging er
für ein freiwilliges soziales Jahr nach Temeswar und stattete auch dem Dorf Saderlach/Zădăreni einen Besuch ab, und
zwar kurz nach Weihnachten 2003, zusammen mit seiner Familie. Dort fragte er, ob es noch Deutsche gäbe – und man
sagte ihm, sie wären alle nach der Revolution ausgewandert, allein zwei Schwestern lebten noch in einem Haus.
Der Besuch bei den beiden Seniorinnen, die an der Notre-Dame-Schule in Temeswar unterrichtet hatten, war sehr
aufschlussreich, erzählt Dominic. Die beiden Frauen, die die unerwarteten Gäste aus Deutschland sehr gastfreundlich
empfingen, sprachen genau in jenem Dialekt, der auch in Görwihl gesprochen wird – Alemannisch. „Als ich mit den
beiden im Dialekt meines Dorfes, aber 1300 Kilometer weit weg von zu Hause, sprach, bekam ich Gänsehaut und mich
traf plötzlich diese faszinierende Realität dieses Europas, eine Faszination, die mich seitdem nicht mehr loslässt“,
berichtet Dominic Samuel Fritz. „Es stimmt, dass das kaiserliche Banat nicht mehr existiert, dass es keine Deutschen
mehr in Saderlach gibt, aber es gibt Rumänen überall in Europa, eine Temeswarerin ist Vizebürgermeisterin in Berlin,
ein Bukarester ist Bürgermeister der Stadt Görlitz, ein Deutscher kandidiert für das Bürgermeisteramt Temeswar. Auf
unserer gemeinsamen Geschichte können wir eine europäische Zukunft aufbauen, in der uns viel mehr Dinge verbinden
als trennen“, schließt Dominic Samuel Fritz.